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Erleuchtung


 

Foto: Udo Manshausen

 

„Das letzte Stadium (der Erleuchtung) war das Einheits-Bewußtsein, in welchem sich Trennungen jeglicher Art auflösten, wenn sich das Bewußtsein derart erweitert, daß es alle Schöpfung umfaßt. Der Einheits-Zustand duldete keine Art von Dualität, er war durch das reinigende Feuer der Einheit gegangen und war endgültig und vollständig.“

Suzanne Segal


(Suzanne Segal (1955-1997, US-amerikanische Schriftstellerin und Lehrerin für spirituelle Erleuchtung), Kollision mit der Unendlichkeit. Ein Leben jenseits des persönlichen Selbst, 2. Aufl., Bielfeld 1997, 31)

 

Wir kreisen umeinander und berühren uns im Lichtglanz der Sonne. Solange wir auf der vorgesehenen Bahn das Dasein gestalten und uns umkreisen – jeder für sich und miteinander –, fällt nichts schwer noch leicht – wir sind gehalten. Doch damit geben wir uns meist nicht zufrieden. Wir wollen schneller als andere und uns eigenständig – von allem losgelöst – bewegen. Alsdann überdrehen wir und ruhen nicht mehr in uns selbst, sondern ziehen voll Ungeduld unsere eigens erdachte Bahn – jenseits der vorgegebenen kosmischen Kräfte. Es ist ratsamer, den für uns vorgesehenen Pfad zu beschreiten, als andere Wege nur taumelnd zu finden, damit wir auf unserer ureigenen Kreisbahn zum Mittelpunkt gelangen. Der Mittelpunkt aber liegt stets auf einer sich auflösenden neuen Kreisbahn – nichts bleibt, wie es ist –, wenn wir uns mit den Mittelpunkten eigener Lebensgestaltung in die Unendlichkeit hineinbewegen, die immerdar ohne Mittelpunkt – ohne Zentrum – in vollendeter Ruhe verweilt. Nur mit ihr zusammen kann sich eine endliche Balance in dem sich stets öffnenden Raum der Ewigkeit vollenden.
Die Unendlichkeit dehnt sich aus – befreit von jedweder Enge durch einen Mittelpunkt –, gleich wie sich die Sehnsucht mit vollständiger Fülle in die unbegrenzte Weite hinein öffnet. Erleuchtung ist das durchdringende Heilmittel gegen den Sog der unbestimmt treibenden Materie. Verwandlung zieht uns hinein in die unendliche Weite der Erkenntnis und der Weisheit des Herzens.
Wir tragen bereits eine Bewegung in uns selbst, bevor wir erwachen, und so mancher entfremdende Anstoß wirft uns nur allzu leicht aus endlicher Bahn. (1)


„Der gleiche Strom des Lebens, der Tag und Nacht durch meine Adern fließt, fließt durch die Welt und tanzt in rhythmischen Maßen.
Das gleiche Leben ists, das freudevoll durch den Staub der Erde schießt in zahllosen Gräsern und ausbricht in rauschenden Wogen von Blättern und Blumen.
Das gleiche Leben ists, das geschaukelt wird in der Ozeanwiege von Tod und Geburt, von Ebbe und Flut.
Ich fühl meine Glieder erstrahlen von der Berührung der Welt dieses Lebens. Und mein Stolz stammt aus dem Lebenspuls der Äonen, die durch meine Adern tanzen in diesem Augenblick.“ (2)

Rabindranath Tagore


U*D*O*-*M*A*N*S*H*A*U*S*E*N

1) Inspiriert durch Giordano Bruno: „Es entspricht … mehr dem Wesen der bestehenden Dinge und der Wirkung der vollkommensten Ursache, daß es dich … (beim Prinzip der Bewegung) um eine natürliche Bewegung handelt, aus einem inneren Prinzip, eigenem Antrieb und ohne Widerstand. Diese Bewegungsart gebührt allen Körpern, die sich ohne sichtbare Berührung mit anderen stoßenden oder anziehenden Körpern bewegen. Daher ist die Auffassung aller verkehrt, die behaupten, der Magnet ziehe das Eisen an, der Bernstein den Strohalm, der Mörtel die Feder, die Sonne den Heliotrop (Edelstein). Vielmehr wohnt dem Eisen eine Art inne (der durch eine geistige Kraft, die vom Magneten ausgeht geweckt wird), durch den er sich zum Magneten hinbewegt …“ In: Giordano Bruno, Das Aschermittwochsmahl, übers. v. Ferdinand Fellman, Einleitung von Hans Blumenberg, Frankfurt a. M. 1969, 159-160.
„Weder die Erde noch ein anderer Körper ist nämlich an sich schwer oder leicht. Das sind Unterschiede und Qualitäten, die nicht den Hauptkörpern und vollkommenen Einzelwesen des Alls zukommen, sondern allein den vom Ganzen getrennten Teilen, die, gleichsam umherwandelnd, sich außerhalb ihres sie umschließenden Ganzen befinden.“ ebd., 162. „So haben der Kopf, die Arme und die anderen Glieder am eigenen Körper kein Gewicht, und kein Ding übt in einem natürlichen Zustand und an seinem natürlichen Ort Gewalt aus. Schwere und Leichtigkeit sind nicht in den Dingen anzutreffen, die ihren natürlichen Ort innehaben und in ihrer natürlichen Verfassung sind, sondern nur diejenigen, die einen gewissen Drang besitzen, den ihnen zukommenden Ort zu erreichen.“ In: ebd. 163.
Das Unendliche hat keinen Mittelpunkt: „Denn das Unendliche kann keine Teile haben, falls man nicht etwa gleichzeitig hervorhebt, dass jeder solcher Teil selbst wieder unendlich sein würde; und es ist der reinste Widersinn, zu behaupten, dass im Unendlichen ein Teil größer und ein andrer kleiner sei, und ein Teil ein größeres und ein andrer ein geringeres Verhältnis habe.“ Giordano Bruno, Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten, verdeutscht und erläutert von Ludwig Kuhlenbeck, Darmstadt 168, 76.
In Bezug auf das Welt-All: „…denn das Ganze als zusammenhängendes ist unbeweglich, sowohl ohne Kreisbewegung, die ja eines Zentrums bedürfte, als auch ohne geradlinige Bewegung, welches von einem Ausgangspunkte zu einem Endziele gerichtet sein müsste, da es weder Mitte noch Anfang und Ende hat.“ ebd., 84.
Cicada: Ich möchte wissen, wie man durch Beschreibung einer Bahn auf der Peripherie zum Mittelpunkte gelangen kann?
Tansillo: Das kann ich nicht wissen. Cicada: Warum sagst du es denn? Tansillo: Weil ich es nur sagen kann und dir selber das Betrachten überlassen muss." Giordano Bruno, Eroici furori (Zwiegespräche vom Helden und Schwärmer), ins Deutsche übertragen von Ludwig Kuhlenbeck, Jena 1907, 75-76.
2) Rabindranath Tagore (1861-1941, bengalischer Philosoph und Dichter), https://www.gutenberg.org/files/65541/65541-h/65541-h.htm ; aufgerufen am 7.6.2026.








 

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KI-Podcast Meditationsbrief

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